Kategorie-Archiv: Neuigkeiten

So geht’s auch: Sommerloch einfach mit Schutt verfüllt

Kopfschüttelnd passieren Fußgänger die Trümmer am Rande des Lübecker Güterbahnhofs, manche bleiben kurz stehen und blicken fassungslos auf das, was vor kurzem noch der alte Ringlokschuppen war.
Der etwas abseits stehende Endvierziger mit dem zeitlosen Schnauzbart im grobgemusterten Karohemd gibt sich dagegen wenig überrascht: „Klarer Fall von Altem Bandschwamm“, konstatiert der Bauingenieur Roland Biertreger ungefragt mit einem lässig-überlegenen Schulterzucken, wie es nur überhebliche Besserwisser beherrschen, „Schlecht belüftet, ungenügend beheizt, dauernde Rauchbelastung und dazu jede Menge einsickernde Flüssigkeitsrückstände ab 4,8 Volumenprozent aufwärts – zusammen mit permanenter Beschallung durch teils elektronisch verstärkte Instrumente: das macht auf Dauer jede Statik mürbe!“ Lässig kickt er mit seinem grauen Herren-Slipper eine abgebrochene Kümmelflasche zurück in den Schutt. „Manche Chaostruppen schaffen das sogar innerhalb weniger Monate“, behauptet er mit einem Unterton, der Gänsehaut erzeugen soll.

Wrack

Nun ja, wir sind ja nicht vom Fach, aber jedenfalls froh, daß dieser bedauernswerte Zustand das Gebäude nicht während einer unserer Proben dort ereilte. Unser Vorgängerdomizil wird das 30jährige Bandjubiläum vielleicht auch nicht mehr erleben. Umso besser, daß wir jetzt ein solides Bauwerk unser Zuhause nennen dürfen: bestimmt sollte das -wie das zugehörige Reich des Bauherrn- mal locker 1000 Jahre halten.
Die Früchte unserer Arbeit dort könnt Ihr schon bald wieder genießen! Gut erholt grüßt bis dahin

Das Kartell

Endlich wieder live in Lübeck – Gunnar am Tenor-Sax!

Am Freitag können wir Euch unsere Verstärkung im Kartell-Bläsersatz auch im Heimspiel präsentieren. Allerdings ist Gunnar in der Hansestadt kein Unbekannter: in den 90ern erlangte er durch das Doku-Drama „Wir Raucher von der Teerhofinsel“ sogar überregionale Berühmtheit. Es folgten harte Jahre im Marzipan-Tagebau am Dummersdorfer Ufer, bevor er als Telefonnummern-Ausdenker bei einem Mobilfunk-Anbieter erstmals richtig gutes Geld verdiente. Mit dem damit erworbenen Saxofon startete er seine Bandkarriere beim legendären 3experiment. Als Untermieter im noch legendäreren Proberaum am Tremser Teich gelangte er so auf den Orbit der Kartellwelten. Als Hobbies gibt der sympathische Enddreißiger Asbach-Cola und Dynamitfischen an.
In Rostock und Berlin enterte er erstmals mit uns die Bühne, am Freitag könnt Ihr ihn voller Größe im Amt für alle erleben! Vorladung nicht vergessen!

Gunnar live im Rostocker Zwischenbau

Mach´s gut, altes Haus!!

Etwas wehmütig müssen wir an dieser Stelle noch den Abschied von unserem alten, treuen, bewährten, tausendfach befeierten, abgeschmökten und musikalisch vielfach beweihten Heim am Tremser Teich bekanntgeben!
20 Jahre lang war es uns zweites Zuhause und musikalischer Hafen, in dem zahlreiche Songs und Aufnahmen enstanden, die heute noch die Ska-Welt beglücken.

Der leicht heruntergekommene Charme in unmittelbarer Nachbarschaft zu anderen Bands, vernarrten Autoschraubern, liebenswürdigen Eigenbrödlern, geselligen Tänzern auf dem Flohmarkt des Lebens, stets gütig beschienen vom Schwartauer Marmeladen-Mond und beruhigend berattert vom Nighttrain nach Kiel, hat uns in die kreativen Höhen gehoben, auf denen wir heute noch behäbig und doch majestätisch unsere Kreise ziehen.
Unvergessen auch (außer bei ihm selbst), wie Wolfgang Lohr auf der Suche nach einem Schlafplatz den Proberaum im 1. Stock von außen betrat – ohne Schlüssel und unter Umgehung der Treppe–, oder die Auszeichnung vom „Fachverband Sanitär Schleswig-Holstein“ für das Pissoir mit der größten Fallhöhe nördlich der Elbe (April 2010).

Glühweinselige Weihnachstfeiern, gemütliche Grillabende im Hof, überschwengliche Junggesellenabschiede oder einfach nur der normale Probenalltag bei Außentemperaturen von -10°C, wo beim Fauchen der Gas-Heizrakete nicht mehr zu unterscheiden war, ob G nun Dur oder Moll ist – das alles und noch viel mehr ist nun Teil unserer Bandvergangenheit.
Doch wir wären nicht Das Kartell, wenn wir nicht schon längst das nächste Eisen im Feuer hätten!
Ab sofort befruchten wir mit unserem musikalischen Elan eine weitere Industriebrache etwas näher am Zentrum. Über unsere Erlebnisse im Quinten- und Quantenzirkel aus alltagsfernen Akkorden, genußgesättigten Getränken und teertriefenden Tabakprodukten werden wir schon bald in einer Sonderveröffentlichung berichten: „Wir Kinder vom Bahnhof Güterbahnhof“.

Bis bald! Eure Jungs vom Kartell

Die Band, die aus der Kälte kam: Das Kartell im Zwischenbau in Rostock

Eigentlich wollten wir ja den Frühling einläuten am letzten Freitag in Rostock, zusammen mit den Tulpenjunkies der Rotterdam Ska Jazz Foundation. Dann wars aber knackig kalt, und auch im Zwischenbau herrschten Temperaturen, die eher an eine sibirische Komsomolzen-Disko erinnerten statt an einen beschwingten Frühlingsschwof.

Ganz egal, wir haben begeistert abgeliefert und ganz im Sinne der Aufgabe als Vorband dem Publikum ordentlich eingeheizt. Als die Kollegen aus Holland dann die Bühne enterten, war Stimmung im Saal und die Bühne warmgespielt. Ein schöner Abend war das im Zwischenbau; ein besonderer Dank geht raus an alle Untentwegten, die sich trotz der Kälte auf den Weg gemacht haben!

Wand aus Pfand statt Wall of Sound – Sommerputz beim Kartell!

Das Säubern unseres Probenraums hat uns so in Beschlag genommen, daß wir leider alle Festivalgigs in diesem Sommer absagen mußten.
Aber für gute und saubere Musik müssen eben die Rahmenbedingungen stimmen, und das fängt bei den eigenen vier Wänden an!
Um die unverwechselbare Reinheit unseres Klanges zu erhalten, war mal wieder dringend eine umfangreiche Aufräumaktion unserer Sommer-Residenz im herrlichen Bad Trems am See notwendig (ein extrem teures und exquisites Pflaster – Besuche nur bei entsprechendem Kontostand empfohlen!).
Dabei kann man uns -völlig zurecht als abgehoben und arrogant verschrien- mit ein bißchen Glück auch mal als ganz normale und bodenständige Typen erleben: gemütlich qualmt der Grill, die Tabakprodukte nicht minder, und wenn dann gegen Sonnenuntergang die Pfandkarawane (hier nur ein Ausschnitt) zu ihrer gemächlichen Runde aufbricht, würde der Anblick auch einem Lastenfahrer aus dem fernen Tsatzikistan ein anerkennendes Lächeln abringen.
Dergestalt er- und überholt freuen wir uns natürlich ganz besonders auf den Spätsommer, wenn die milderen Temparaturen auch wieder die Beschäftigung mit den Instrumenten erlauben, ohne häßliche Schweißrückstände auf sündhaft teuren Griffbrettern, Tastenebenholz und festlich glänzendem Goldmessing zu hinterlassen!
Dann sind wir wieder wie gewohnt in alter Manier auf den Bühnen des Nordens zurück, um Euch einen herrlichen Spätsommer zu bereiten!